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Ausnahmekünstler Basquiat in der Frankfurter Schirn

Verantwortlicher Autor: Schirn Kunsthalle Frankfurt / Kirsten Ernst Frankfurt am Main, 23.05.2018, 17:22 Uhr
Presse-Ressort von: Kirsten Ernst Bericht 4211x gelesen
Frankfurter Schirn, Jean-Michel Basquiat at Area, 1984
Frankfurter Schirn, Jean-Michel Basquiat at Area, 1984  Bild: Schirn_Presse_Jean-Michel Basquiat at Area, New York, 1984, Courtesy Jennifer Goode

Frankfurt am Main [ENA] Die Frankfurter Schirn zeigt vom 16. Februar bis 27. Mai 2018 über 100 Werke von Jean Michel Basquiat in "Boom for Real". Nach mehr als 30 Jahren eröffnet sie dem Werk des US-amerikanischen Künstlers in einer großen Einzelausstellung wieder einen umfassenden Schauplatz in Deutschland.

Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. So war er auch 1982 der jüngste Künstler, der jemals an einer documenta teil genommen hat. In der Ausstellung wird erstmals Basquiats Beziehung zu Musik, Texten, Film und Fernsehen seiner Zeit in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang deutlich. Die Ausstellung in der Schirn zeichnet Basquiats künstlerischen Weg nach. Von den Anfängen bis zu seinem frühen Tod im Alter von 27 Jahren, im Jahr 1988. Sie beleuchtet in verschiedenen Themenbereichen sowohl die kunsthistorische Einordnung seines OEuvres als auch dessen Rezeptionsgeschichte.

„Die Mythisierung von Jean-Michel Basquiat überwiegt noch immer die wissenschaftliche Betrachtung seiner künstlerischen Arbeit. Und häufig wird auch der historisch-kulturelle Kontext unterschlagen, in dem seine außergewöhnlichen Werke entstanden. Die Ausstellung setzt an diesem Punkt an, macht die Vitalität und Vielseitigkeit des gesamten Werks sichtbar und erzählt von den zahlreichen Einflüssen. Denn Basquiats Kunst ist mit dem Leben verbunden: Gesellschaftliche, politische und kunsthistorische Themen fließen in seinen Arbeiten ineinander. Es ist ein Mix, der die Grenzen der Disziplinen wie auch die seiner eigenen Identität auflöst", so Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, über die Ausstellung.

Am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn schuf Basquiat politisch aufgeladene Graffitis. Im Jahr 1978 taggte der damals 17-Jährige mit seinem Highschool-Freund Al Diaz, unter dem Pseudonym SAMO©, kryptische Statements in schwarzen Großbuchstaben an New Yorker Hauswände. Die Graffitis waren satirische Angriffe auf die Banalität der amerikanischen Kultur. Durch ihren spielerisch-rhythmischen Umgang mit Sprache, wurden sie schnell unverwechselbar. In der Ausstellung sind zahlreiche Fotografien von Henry Flynt zu sehen, der diese ersten Arbeiten von Basquiat dokumentierte.

Humorvoll reflektierte Basquiat seinen Status als Künstler. Er war Autodidakt, ging mit 16 Jahren von der Schule ab und erhielt nie formalen Kunstunterricht. Mit seiner Familie besuchte er regelmäßig die New Yorker Museen. Er besaß eine umfassende Sammlung von Künstlermonografien, die er als Quellen nutzte. Schon in den frühesten Gemälden und Zeichnungen zeigte Basquiat, dass er souverän mit dem visuellen Vokabular der westlichen Malerei des 20. Jahrhunderts umzugehen wusste. Zugleich entwickelte er sehr früh einen höchst eigenständigen Stil. 1981 gelang ihm mit seinen Werkpräsentationen in der Gruppenausstellung New York/New Wave im P.S. 1 der Durchbruch.

Basquiat war nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Performer, Schauspieler, Dichter, Musiker und DJ. Damit folgte er unmittelbar der in der internationalen Kunstszene der 1970er- und frühen 1980er-Jahre verbreiteten Tendenz, multidisziplinär zu arbeiten. Diese Zeit lebt in der Ausstellung auch wieder auf. Und nicht nur im Film, sondern auch anhand zahlreicher Fotografien, heute berühmter Akteure der Downtown-Szene wie Madonna, Debbie Harry, Grace Jones, Maripol oder Andy Warhol. In Zusammenarbeit mit Keith Haring, Jennifer Stein, John Sex und weiteren Künstlerinnen und Künstlern entstanden in den frühen 1980er-Jahren zudem zahlreiche Werke.

Auf Initiative von Bruno Bischofberger lernte Basquiat Andy Warhol kennen. Mit Francesco Clemente sollten sie eine Serie von Gemeinschaftsarbeiten realisieren. Basquiat und Warhol setzten ihre Zusammenarbeit in den Jahren 1984 und 1985 fort. Die Schirn zeigt u. a. "Arm and Hammer II" (1984) von Basquiat und Warhol und das Doppelporträt "Dos Cabezas" (1982), das Basquiat unmittelbar nach der ersten Begegnung mit Warhol anfertigte. Was Basquiat für seine künstlerischen Arbeiten brauchte, nahm er sich aus seinem Umfeld. Dabei experimentierte er immer auch mit verschiedenen Bildträgern und Materialien. Nach Art des Kopierens und Einfügens fremder Inhalte, übernahm er gefundenes Material und veränderte es, um es seiner Ästhetik anzupassen.

Sein Ansatz beruhte auf der Cut-up-Technik der Beat-Autoren, die Anfang der 1980er-Jahre ein Revival erlebte. Er strukturierte die Bildfläche mit den Konventionen des Zitierens – Fußnoten, Ziffern, Register – sowie mit Rastern, Linien und Vektoren, die an Mind-Maps und Flussdiagramme erinnern. Seine besondere Vorliebe galt schematischen Darstellungen komplexer Zusammenhänge. Von Leonardo da Vincis Kodizes über Sternkarten bis zu Illustrationen aus Enzyklopädien und Nachschlagewerken. Dort fand Basquiat das Rohmaterial für seine Kunst.

Seine Gedanken- und Ideenwelt hielt Basquiat in linierten Notizheften fest. Die Ausstellung versammelt eine Auswahl dieser Hefte mit Gedichten, Skizzen, Zitaten, Textfragmenten und Adressen, die Tagebücher und Inspirationsquellen zugleich waren. Immer wieder bezog er sich in seinen Arbeiten auch auf die Werke berühmter Künstler, u. a. Pablo Picasso, Henri Matisse, Tizian oder Leonardo da Vinci. Somit präsentiert die Schirn Kunsthalle die Arbeiten Untitled (Pablo Picasso) (1984) oder Leonardo da Vinci’s Greatest Hits (1982). Eine Ausstellung des Barbican Centre, London, in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Kuratiert von Dr. Dieter Buchhart und Eleanor Nairne, Barbican Art Gallery, London.

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